Heraus zum 1. Mai

Wenn ein tausendköpfiger Demonstrationszug vom Leipziger Volkshaus zum Marktplatz zieht und
rote Fahnen mit sich führt, dann kann es sich nur um den 01.Mai handeln. Zum Kampf- und
Feiertag der Arbeiterklasse erschien die Industriearbeiterschaft besonders zahlreich. Vertreten waren
neben vielen anderen die Betriebe von Siemens Compressor Systems, Neue Halberg-Guss GmbH,
Porsche und BMW. Sie wehren sich gegen die Pläne der Konzernspitzen, ihre Arbeitsplätze
abzubauen oder Betriebe komplett dich zu machen. Es zeigte sich eine große Bandbreite der
beteiligten politischen Parteien und Verbände: von der DKP, der SDAJ, der MLPD und – zum
ersten Mal – der Kommunistischen Arbeiterpartei des Iran über den DGB und seine
Teilgewerkschaften, über Friedensverbände wie Leipig gegen Krieg bis in die bürgerliche Mitte um
SPD und Die Grünen. 4.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren insgesamt an diesem
wichtigsten Tag der internationalen Arbeiterbewegung auf dem Markt. Auch im Leipziger Umland
versammelten sich die Beschäftigten: in Borna waren es 600, in Torgau 300. Bundesweit waren es
340.000 auf über 500 Kundgebungen.
Der Ursprung dieses Kampftages findet sich in den tragischen Umständen, die sich am 01. Mai
1886 in Chicago ereigneten. Kurz zuvor brach in einer Fabrik für landwirtschaftliche Geräte ein
Streik aus. Die bis dahin aufgezwungene Arbeitszeit von 12 Stunden täglich sollte auf 8 reduziert
werden. Auf eine berechtigte Forderung antwortete die Kapitalseite mit Aussperrung. Es folgte ein
mehrtägiger Streik, 2 Streikende wurden erschossen. Insgesamt kosteten die Unruhen 7 Polizisten
und 20 Arbeitern das Leben. 4 „Rädelsführer“ wurden zum Tod durch den Strang verurteilt. Als die
II. Internationale 1889 ihren Gründungskongress abhielt, wurde, um der Opfer dieses „Haymarket
Riot“ zu gedenken, der 01. Mai als „Kampftag der Arbeiterbewegung“ ausgerufen.
Das DGB-Motto des diesjährigen 01. Mai: „Solidarität – Vielfalt – Gerechtigkeit“ nimmt damit
(absichtlich oder nicht) Bezug auf diese Wurzeln. Viele Forderungen des DGB teilt auch die DKP:
mehr Personal im öffentlichen Dienst, mehr Mitbestimmung bei der Arbeitszeitplanung, mehr
Investitionen in Bildung und Infrastruktur, ein Ende der Lohnlücke von 21 % bei der Bezahlung
von Frauen, Verbot der Tarifflucht und ein gerechtes Steuersystem. Natürlich wird hierbei die
Systemfrage nicht gestellt, während die DKP weitergehende Forderungen hat, die einen
revolutionären Bruch mit den aktuellen Verhältnissen fordern.
Es bleibt die Erkenntnis: einerseits ist der 01. Mai ist international der wichtigste politische Termin
der Arbeitenden. Andererseits kann er nur durch die Präsenz revolutionärer Kräfte – eben wie die
DKP – seinen Charakter bewahren.